· 

Das Leben nicht im Griff haben

"Es ist okay sein Leben nicht im Griff zu haben", so lautete der Titel eines Artikels, der in "Der Standard" erschienen ist. Es ist zu viel oder zumindest erwarten wir von uns oft zu viel, denn "so schwierig ist das doch nicht". Ein Auszug daraus nachfolgend.

 

"Denn der Anspruch ist da: Der Anspruch, die Kontrolle zu behalten. Ein ordentlicher Haushalt, ein effizienter Umgang mit Geld, ein Überblick über wichtige Dinge. Das alles wird von uns erwartet – und das erwarten wir auch von uns selbst. So schwierig ist es ja nicht. Doch, es ist uns zu viel, wenn wir neben der unbezahlten Care-Arbeit und Erwerbsarbeit untertags dann am Abend einfach noch die Küche sauber bekommen wollen. Wir versuchen (wenn Zeit am nächsten Tag bleibt) das nun zu ignorieren und liegen uns mit einem Buch auf das Sofa: Wohlfühlen. Der Hacken an der Sache: Das Chaos ist am nächsten Tag immer doch in der Küche. Das schlechte Gewissen plagt uns mit inneren Sätzen wie "Warum schaffe ich das einfach nicht?" Die Antwort ist einfach, aber sozial nicht erwünscht: Es kommt zu viel zusammen. Unsere Energie ist begrenzt, wir können uns nur mit einer begrenzten Menge an (Un)Annehmlichkeiten an einem Tag auseinandersetzen.

Die wichtigere Frage lautet: Warum denken wir überhaupt, den perfekt gemanagten Haushalt haben zu müssen? Warum ist es für uns nicht okay, Dinge in unserer Freizeit auch einmal schleifen zu lassen? Warum müssen wir funktionieren, damit wir uns gut fühlen?" Eine von vielen Antworten finden wir in den Medien, in den Social Media Kanälen: Dort ist das alltägliche Scheitern kein Thema. Und dann ist da noch die Generationensache und die längst überholten Rollenbilder. Ja, viele von uns belasten solche Dinge. Doch kaum eine*r redet darüber. Wir scheitern an kleinen, alltäglichen Dingen. Es lohnt sich also die eigenen Ansprüche selbst herunter zu schrauben. Ich erlaube mir über manche Bereiche im Leben gerade keine Kontrolle zu haben. Und wie der Satz schon sagt: Es liegt an mir selbst. Es ist okay, sein Leben nicht im Griff zu haben. So verdrängen wir diese  Dinge nicht, sondern akzeptieren sie vorläufig. Wir gewinnen an Freiheit. Erlauben wir uns doch, nicht ständig etwas zu leisten und nicht produktiv zu sein."

 

Und bei mir sind auch diese Tage der Tage des Monats wieder mal. Der Balkon ist zum Chaos mit Sand, Spielzeug, Tannenästen vom Winter, ungeputztem Grill, zu ölendem Tisch mutiert. Zu Essen gibt´s grad Fertiges aus dem Tiefkühlfach (wenngleich biologisch und so). Im Wohnzimmer ist die komplette Couch auseinander gebaut, wo die frisch gewaschenen Bezüge wieder ran sollten. Am Essplatz sollten neue Leuchtmittel montiert werden. Und doch gehe ich heute raus und genieße im Wald, am Spielplatz, im Park mit dem Kleinen, mit Menschen.

Foto: Nina Bröll (www.broell.cc), die Menschen in ihrem Sein wahrnimmt. Echt.

Follow on instagram | facebook | pinterest

KRAUTBLOG ein Projekt von Andrea Blum | 6850 Dornbirn (Austria)

E andrea@krautblog.com | KRAUTBLOG Kontakt | Über  |  Start

nachhaltig kommunizieren, nachhaltige Kommunikation, Nachhaltigkeit, nachhaltiges Marketing, Kommunikation, Marke, krautblog, Die Quertexterin
nachhaltig kommunizieren, nachhaltige Kommunikation, Nachhaltigkeit, nachhaltiges Marketing, Kommunikation, Marke, krautblog, Die Quertexterin