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Urban Gardening: Ein nachhaltiger Weg

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Wieso ich mich mit dem urbanen Gartenbau (#urbangardening) beschäftige und mich dafür einsetze? 

 

Dieser Frage habe ich durch eine Anfrage einer Studentin, ob ich als Interviewpartnerin für eine Diplomarbeit zur Verfügung stehe, nachgespürt. Habe mich dem Interview gestellt (bin ja meist in der anderen Position) und werde nun ein paar Gedanken daraus für mich und euch aufarbeiten.

 

Ja, und nun. Was ist denn urban gardening überhaupt?

 

Ein weit gefasster Begriff. Urbaner Gartenbau. Also: Garten-, Gemüse-, Obstbau im städtischen Gebiet zu betreiben. Formen dafür gibt es zwischenzeitlich viele: Gemeinschaftsgarten, Balkongarten, Stadtgärten, Guerilla Gardening, Rooftop Gardening, Essbare Städte, Interkulturelle und Interreligiöse Gärten, Schrebergärten, Selbsterntefelder, urbane Landwirtschaftsprojekte und und und.

 

Ich bin am Land aufgewachsen, war in Städten unterwegs und lebe seit zehn Jahren in der (Klein)Stadt. Anfangs war's ungewohnt. Zwischenzeitlich schätze ich das Leben in der Stadt sehr. Alles zu Fuß, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Dinge des täglichen Bedarfs gleich um die Ecke zu haben. Und doch habe ich gemerkt, gerade als der Kleine auf die Welt kam, dass es umliegend nicht allzu viel an öffentlichem Grün gibt. Orte, an denen wir in der Stadt im Grünen einfach nur Sein können. Ohne konsumieren zu müssen (sollen). Orte an denen wir am öffentlichen Raum und deren Gestaltung mitwirken dürfen. Orte an denen ich barfuß über die Erde gehen und das Erleben von Natur und natürlichen Kreisläufen für das Kind ermöglichen kann. Zudem: Ich liebe es neues Auszuprobieren. Etwas zu machen. Anders zu machen. Querzudenken. Neues ins Leben zu bringen. 

 

 

Beschäftigst DU dich mit urbanem Gartenbau? Lebst du in der Stadt und gärtnerst? Wo? Erzähle mir doch davon in den Kommentaren oder einer Direktmessage in den Social Media Kanälen, z. B. unter @krautblog.

 

 

Veränderungen durch den Urbanen Gartenbau

Was ich für Veränderungen durch den Urbanen Gartenbau und daraus entstehenden Initiativen sehe?

 

Mehr Bewusstsein. Mehr Achtsamkeit. Ja, ich wiederhole mich die letzten Wochen (Anm. Beitrag: "autark leben"). Doch diese zwei Punkte passen einfach in so vielen Lebensbereichen. Mehr Langsamkeit. Mehr Gemeinschaft. Mehr Tauschgeschäfte. Wissen, das wächst. Expertise. Für die Natur, für natürliche Zusammenhänge und Kreisläufe. Für Lebensmittel. Für das Leben.

Zudem sind urban gardening Projekte durchaus auch interessant für Tourismus und Wirtschaft. Für die Landwirtschaft. Durch den eigenen Anbau von Lebensmitteln und das daraus entstehende Bewusstsein entsteht mehr Wertschätzung und Verständnis gegenüber den Tätigkeiten der Lebensmittelproduzenten. Der Bäuerin, des Bauern. Wissenschaftliche erwiesen senkt die Bewegung an der frischen Luft, eine sinn-volle Tätigkeit in Gemeinschaft die Krankenstände und hebt die Gesundheit. Der Aufenthalt in der Natur und an ruhigen Orten fördert die Kreativität. Auch, sehe ich Kinder. Die mit dem Natürlichen aufwachsen. Denen wir über Generationen erlerntes Wissen weiter geben dürfen. Wir beschäftigen uns in unserer Freizeit wieder mit den wirklich wesentlichen Dingen des Lebens. Den Lebensmitteln. Wie der Name schon sagt mit den Mitteln des Lebens. Und, wie siehst DU das?

 

Herausforderungen im Urbanen Gartenbau

Welche Herausforderungen ergeben sich beim Urbanen Gartenbau und vor allem bei öffentlichen urbangardening-Initiativen?

 

Wie überall und immer gibt es auch in diesem Bereich des Lebens Hürden. Diese sind jedoch klar bewältigbar. So stelle ich bei Initiativen rund um solche Projekte immer wieder fest, dass (zumindest hier zu Lande und noch!) eine gewisse Hemmschwelle gegenüber Neuartigem besteht. Die Offenheit gegenüber Neuem ist teilweise noch gering. Das Einfach-Ausprobieren ohne zu wissen wie ES ausgeht, fällt schwer. Natürlich sind damit Ängste unterschiedlichster Form verbunden (auch wenn uns diese selbst noch nicht bewusst sind oder wir sie nicht wahrhaben wollen). Sich Einlassen auf etwas Neues. Auf eine neue, unbekannte Gruppe. Menschen. Oder einfach mal selbst die Initiative ergreifen. Verantwortung übernehmen. Ein Motor sein. 

 

Durchaus höre ich auch oft es mangle an der Zeit. Doch, Zeit haben wir alle gleich viel. Wenn auch die Wach-Zeiten schwanken. Doch in den allermeisten Fällen können wir selbst entscheiden was wir mit dieser Zeit anfangen. Nutze ich diese, meine Zeit, um mir meine Lebensmittel anzubauen oder will ich noch mehr arbeiten, um mir zwei Mal jährlich die Urlaubsflüge zu zahlen? Gehe ich arbeiten um mir die 15te Hose zu kaufen oder will ich die (durch das weniger Arbeiten ergebende) Zeit anders nutzen? Und der Klassiker (z. B. bei Umfragen): Viele wollen. Tun nicht.

 

So kurz zusammengefasst: Wir stehen uns oft selbst im Weg. WIR. DU und ICH. Ok, JA – eine Wiederholung. Da wären wir wieder beim Punkt aus den Stories rund um die Autarkie und Subsistenzwirtschaft, dessen Gedanken wir mehrfach im Leben übersetzen können. 

 

Die bürokratischen Anforderungen (Kontakte mit Stakeholdern, Eigentümern, Bewirtschaftern, Netzwerkpartnern, Förderstellen, Öffentlichkeitsarbeit, das Stellen von seitenlangen Förderanträgen, etc.) und rechtlichen Angelegenheiten (Rechtsform anmelden, Verträge unterschreiben und damit als Einzelperson Verantwortung für Dinge an öffentlichen Räumen zu übernehmen, die nun mal einfach passieren können) für mich zwischenzeitlich grenzwertig und tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Herausforderung bei der Umsetzung von Initiativen, die im allgemeinen Interesse stehen.

 

Räumlich gesehen, gibt es aus meiner Sicht noch ausreichend öffentliche oder auch anderweitig von der Landwirtschaft nicht genutzte und der Stadtverwaltung zur Verfügung stehenden Flächen. Auch das Potenzial an Raum von privaten Eigentümer(gemeinschaften) und Unternehmen mit z. B. Rasen- oder Dachflächen ist hoch. Die Nutzung dieser Flächen für den Urbanen Gartenbau oder die Frei- und Übergabe von Flächen an Interessierte scheint noch schwer zu fallen.

 

Es braucht ein paar Wegbereiter, Visionäre und Querdenker - wozu ich mich zähle - die unter vollsten Beobachtung ihren Weg gehen. Etwas Anders machen als Bisher. Und Antworten geben: „Kann das funktionieren?“, „Das kann doch nicht gut gehen!“, „Wie soll denn das gehen?“, „Warum machen die das?“, „Wo könnten wir so etwas umsetzen?“. Best Practice Beispiele schaffen. Ich freue mich auf jeden Fall schon in zehn Jahren wieder zurück zu blicken (was ich auch schon in anderen Dingen gemacht hatte). Dann kannst du es kaum fassen, welche Berge du Jahre zu vor erklommen und Täler durchschritten hast. Und vor allem „wie Normal“ das dann ist. Bis dahin braucht es noch ein paar mehr Leute, die Dinge in die Hand nehmen ohne gleich und unmittelbar davon einen ökonomischen Nutzen zu haben. Langfristig wird sich das rechnen. Verantwortung zu übernehmen. Etwas zu machen, was zuvor noch nicht gemacht wurde, zu experimentieren und auszuprobieren. Doch ich spüre gerade bei jungen Familien, Zugezogenen, in großen Städten Studierenden, die wieder zurück kommen und mutigen Jungpensionistinnen und -pensionisten einen Wertewandel dahin gehend.

 

Natürlich gibt´s z. B. beim Balkongärtner auch die Herausforderung "Wie komme ich an Humus?" oder "Wo/Wie lege ich da einen Komposthaufen an?" Die Wurmkiste bietet da einen gute Antwort. Der Artikel ist wieder einmal mehr aus mir heraus geschrieben. Ohne den Anspruch an grammatikalischem Perfektionismus, ohne akribisches Korrektorat oder den Anspruch auf Vollständigkeit.  

 

Ach, mich würde doch echt interessieren wie du DAS (diesen Beitrag und das Thema) seht? Hat Urbaner Gartenbau Perspektive? Gibt´s bei euch neben dem Fensterbrett oder Balkon in der Umgebung Möglichkeiten dazu? Haben für DICH persönlich solche Initiativen oder auch generell das Balkongärntnern einen hohen Wert? Und die soziale, örtliche, ökologische und ökonomische Bedeutung? Du hast jetzt eben gerade keine Zeit diesen Fragen nachzuspüren? Deine Antwort mit mir und uns in den Social Media Kanälen zu teilen? Dann speichere dir doch den Beitrag ab. Als Lesezeichen. Als Memo. Im Kalender.

 

Bedeutung von Urbanem Gartenbau

Welche ökologische, ökonomische und soziale Bedeutung hat Urbaner Gartenbau denn aus meiner Perspektive? Und die Bedeutung für Partizipation und Integration?

 

Urbaner Gartenbau gewinnt meines Erachtens immer mehr an Bedeutung. Auch in der Provinz. In Vorarlberg. Bei uns. Auch wenn hier noch viele eigene Grünflächen, Gärten UND gerne Zäune haben. Für die Integration und Partizipation von Menschen, vor allem auch zugezogenen Personen kann und wird urban gardening eine zentrale Rolle in Zukunft einnehmen. Nachdem auch immer mehr Menschen im urbanen Raum das Grün suchen und ihre Sehnsucht / den Hunger nach dem Natürlichen stillen wollen. Lebensmittel benötigen alle. Die Selbstversorgung mit Lebensmittel ist in vielen Ländern und Kulturen noch viel selbstverständlicher als bei uns. Wissen und Fähigkeiten können sinnvoll eingesetzt werden. Gemeinsam an etwas Arbeiten, das Sinn macht, stärkt die Zugehörigkeit nachhaltig. Die Integration.  Das Da-Sein-Wollen. Das Dabei-Sein-Wollen. Und fördert das Interesse an Partizipation. Meine ich. Integration ist ein langer Prozess. Urbaner Gartenbau kann das Zusammenkommen fördern und ein Netzwerk für andere Belange (Hilfe bei Behördengängen, Sprache, etc.) schaffen. Integration fördern. Eindeutig.

 

Die Partizipation wird durch Initiativen im Urbanen Gartenbau  gefördert. Das Teilhaben am Leben. An natürlichen Kreisläufen. An der Natur. An gemeinschaftlichen Aktionen und dem städtischen Leben. Durch die Ermöglichung der Teilnahme und dem Dabeisein von unterschiedlichsten Menschen an Urbanen Gartenbau Projekten wie Essbaren Städten, Guerilla Gardening Aktionen und Gemeinschaftgärten, kommen die Leute zusammen. Leute, die sich sonst vielleicht nicht begegnen würden. Es wird voneinander und miteinander gelernt. Gemeinsam in einer Gruppe wird an Etwas gearbeitet. Mittel- bis langfristig. Denn Gartenbau zu betreiben ist keine Ein-Tages-Treffen, sondern zieht sich über das gesamte Jahr mit verschiedenen Phasen (zusammenkommen, zusammenfinden, planen, organisieren, bürokratische Hürden meistern, beackern, säen, pflanzen, pflegen, ernten, feiern, winterfit machen, reflektieren, neuorientieren, planen, etc.). Wir müssen für uns selbst, aber auch als Gemeinschaft entscheiden und bestimmen.  Das beantwortet wohl auch die Frage nach der sozialen Bedeutung von urban gardening Initiativen. Wir werden einbezogen in Dinge mit denen wir vorab noch nichts zu tun hatten. Wir lernen mehr über das Lebensmittel an sich. Den Anbau und Ernte mit all den verbundenen Herausforderungen und Freuden. Unser Verständnis für die Natur und die Lebensmittelproduzenten – die Bauern wird größer, wir werden bei Einkäufen künftig achtsamer werden und mit Lebensmitteln achtsamer umgehen, Lebensmittelabfälle vermeiden, weil wir wissen welch ein Aufwand dahinter (von der Samengewinnung bis hin zur Ernte) liegt.

 

Ökologisch gesehen ist natürlich mehr Grün in den Städten positiv zu sehen. Für den Menschen, wie auch für die Tiere. Seien das Insekten, Kleintiere oder auch die Bienen, die wir zum Leben brauchen. Und weiter in Stichworten: Kürzere Transportwege für Lebensmittel – weniger CO². Keine Verpackung für Lebensmittel - Reduzierung von Müll. Höheres Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und Naturkreisläufe. 

 

Meist wird wahrscheinlich auch die Ökologie, das Soziale und die Ökonomie miteinander verbunden, verwoben werden und spielt im positiven Sinne zusammen. Wenngleich für den ökonomischen Aspekt Potenzial da ist, dieses – wie ich meine – noch nicht ausgeschöpft wird. Wir investieren Zeit für unsere Lebensmittel und kein Geld. Ist doch ein lebenswerter Ansatz. Wir halten uns im Freien auf. Bewegen uns beim Gärtnern. Gesundheitlich zwei wesentliche Faktoren. Krankenstände werden damit sinken, ganz klar ökonomisch. Wie schon erwähnt das Bewusstsein für regionale, saisonale und ökologisch produzierte Lebensmittel wächst. Die Landwirtschaft wird davon an ihrer Wertschöpfung profitieren. Langfristig wird auch die zahlenmäßige Rechnung aufgehen. Für einen als Person und Menschen selbst. Wie auch für die Kommunen und Unternehmen. Die Gesellschaft. Das Klima. Die Umwelt und Natur. 

 

Die Lebensqualität in Städten mit urban gardening Projekten oder bei Menschen, die sich an solchen beteiligen oder diese Orte auch nur als Ort der Ruhe, als Ort der Inspiration aufsuchen steigt auf jeden Fall. Wir verwurzeln uns wieder mehr. Wenn wir unsere Hände in die Erde stecken. Wenn wir barfuß durch die Erde gehen. Und, unseren Kindern das Er-Leben von Natur ermöglichen.

 

Was ist denn dein Schritt in einen nachhaltigeren Alltag?

 

Es grüßt ganz herzlich,

Andrea* | #nachhaltigkommunizieren

 

PS. Du brauchst Hilfe bei der Umsetzung deines Projektes? Deiner Idee? Oder in der Kommunikation deiner Idee nach außen? Zur Vernetzung? Dann melde dich bei mir!

 

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